Plus 3 Grad – und trotzdem Eis auf dem Auto: Wie Bodenfrost trotz positiver Lufttemperatur entsteht
Viele kennen die Situation: Die Wetterstation meldet am Morgen +2 oder +3 °C, trotzdem ist die Autoscheibe vereist und auf der Wiese liegt Reif. Das ist kein Widerspruch. Die offizielle Lufttemperatur wird in etwa zwei Metern Höhe gemessen. Direkt am Boden oder auf Oberflächen kann es deutlich kälter sein.
Warum der Boden schneller auskühlt
In klaren Nächten gibt die Erdoberfläche Wärmestrahlung an den Himmel ab. Zuerst kühlen Boden, Gras, Autodach und andere Oberflächen aus. Erst danach kühlt die darüberliegende Luft. Deshalb kann die Temperatur unmittelbar am Boden schon unter 0 °C fallen, während das Thermometer in zwei Metern Höhe noch positive Werte zeigt.
Was der DWD unter Bodenfrost versteht
Der Deutsche Wetterdienst misst neben der Lufttemperatur auch Temperaturen in Bodennähe und im Boden. Gerade bei nächtlicher Ausstrahlung können die Werte in fünf Zentimetern Höhe tiefer liegen als in zwei Metern. Direkt an der Oberfläche kann es nochmals kälter sein.
Wann ist Bodenfrost besonders wahrscheinlich?
Typische Bedingungen sind eine klare oder nur leicht bewölkte Nacht, schwacher Wind und trockene Luft. Ohne schützende Wolkendecke kann der Boden besonders stark ausstrahlen. Wind würde die bodennahe Kaltluft mit milderer Luft darüber vermischen und die Abkühlung bremsen.
Warum Autoscheiben besonders früh vereisen
Glas und Metall können durch Ausstrahlung stark abkühlen. Ist genügend Feuchtigkeit vorhanden, schlägt sich Wasserdampf auf der kalten Oberfläche nieder. Liegt die Oberflächentemperatur unter null, entsteht Reif oder vorhandene Nässe gefriert. Darum kann das Auto vereist sein, obwohl das Thermometer noch +2 °C zeigt.
Brücken und Senken sind Sonderfälle
Brücken kühlen von oben und unten aus und reagieren schneller als Strassen auf festem Untergrund. In Senken sammelt sich zusätzlich kalte Luft. Deshalb kann es lokal glatt sein, obwohl wenige Kilometer entfernt nichts gefroren ist.
Praktische Regel
Bei erwarteten Tiefstwerten unter etwa +4 °C lohnt sich in klaren, windschwachen Nächten ein Blick auf Bodenfrost- und Glättehinweise. Die Lufttemperatur allein reicht nicht, um Eis auf Oberflächen auszuschliessen.