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259 km/h, stillgelegte Bahn, Millionen Schäden: Deutschlands heftigste Stürme der letzten 30 Jahre

Deutschland hat in den vergangenen 30 Jahren mehrere Orkane erlebt, die in Erinnerung geblieben sind – wegen extremer Böen, grosser Schäden und flächiger Auswirkungen auf Verkehr, Wälder und Stromversorgung. Ein einfaches Ranking ist trotzdem schwierig: Ein Sturm kann auf einem Berggipfel Rekordböen bringen, ein anderer aber im dicht besiedelten Flachland viel grössere Schäden verursachen.

Lothar 1999: 259 km/h am Wendelstein

Orkan Lothar traf Deutschland am 26. Dezember 1999. Besonders betroffen waren der Südwesten und Süden. Der Deutsche Wetterdienst führt für den Wendelstein eine Spitzenböe von 259 km/h an. Damit gehört Lothar zu den stärksten Orkanen, die Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten getroffen haben.

Lothar entwickelte sich sehr schnell aus einer Wellenstörung über dem Atlantik und zog rasch über Nordfrankreich nach Deutschland. Gerade diese schnelle Intensivierung machte den Sturm meteorologisch aussergewöhnlich.

Kyrill 2007: ganz Deutschland im Sturmfeld

Am 18. Januar 2007 erfasste Orkan Kyrill praktisch ganz Deutschland. Der DWD bezeichnete ihn als einen der schwersten Orkane der damaligen Jahrzehnte. Die stärkste offiziell gemessene Böe lag bei 202 km/h auf dem Wendelstein, der Brocken meldete 198 km/h.

Auch im Flachland wurden Orkanböen gemessen: Mühldorf in Bayern kam auf 137 km/h, Köln auf rund 130 km/h. Kyrill war vor allem wegen seiner grossen räumlichen Ausdehnung aussergewöhnlich. Die Deutsche Bahn stellte erstmals in der Nachkriegsgeschichte den gesamten Fernverkehr ein.

Christian 2013: Norddeutschland im Orkanmodus

Am 28. Oktober 2013 traf Orkan Christian besonders den Norden und Nordwesten. In St. Peter-Ording wurden 172 km/h gemessen. In Teilen Schleswig-Holsteins erreichte sogar der 10-Minuten-Mittelwind Orkanstärke – ein aussergewöhnliches Signal dafür, wie lange die extrem hohen Windgeschwindigkeiten anhielten.

Nur wenige Wochen später folgte Orkan Xaver. Er war in der Spitze etwas schwächer, hielt aber länger an und löste an der Nordsee mehrere schwere Sturmfluten aus.

Friederike 2018: 203 km/h auf dem Brocken

Friederike zog am 18. Januar 2018 über Deutschland. Auf dem Brocken wurde eine Böe von 203 km/h gemessen. Der DWD bezeichnete Friederike als stärksten Sturm seit Kyrill elf Jahre zuvor.

Der Sturm traf vor allem einen Korridor von Nordrhein-Westfalen bis Sachsen. Bahnstrecken wurden gesperrt, Dächer beschädigt, Bäume umgerissen und zeitweise Hunderttausende Haushalte von der Stromversorgung getrennt.

Sabine 2020: 177 km/h auf dem Feldberg

Orkantief Sabine erfasste am 9. und 10. Februar 2020 grosse Teile Deutschlands. Auf dem Feldberg im Schwarzwald wurde mit 177 km/h die höchste Böe des Ereignisses in Deutschland registriert.

Sabine war weniger extrem als Lothar, Kyrill oder Friederike, aber sehr grossräumig. Bahnverkehr, Flüge, Fährverbindungen und Schulbetrieb waren vielerorts betroffen.

Welcher Sturm war nun der heftigste?

Nach gemessener Spitzenböe ragt Lothar mit 259 km/h klar heraus. Kyrill war dagegen räumlich besonders gross und traf praktisch ganz Deutschland. Friederike war der stärkste Sturm seit Kyrill und erreichte auf dem Brocken 203 km/h. Christian wiederum war für Norddeutschland aussergewöhnlich, weil nicht nur einzelne Böen, sondern auch der Mittelwind extrem war.

Nehmen Stürme in Deutschland an Stärke zu?

Nach heutigem Stand lässt sich für Deutschland kein klarer langfristiger Trend zu immer stärkeren oder häufigeren Winterstürmen nachweisen. Der Deutsche Wetterdienst verweist auf deutliche natürliche Schwankungen über mehrere Jahrzehnte. Für die Deutsche Bucht zeigen lange Reihen der mittleren und maximalen Windgeschwindigkeit Schwankungen, aber keinen eindeutigen Aufwärtstrend.

Auch der Nationale Klimareport des DWD kommt zu dem Schluss, dass sich für Stürme bislang weder in der Vergangenheit noch in den Projektionen für die Zukunft eine klare Veränderung erkennen lässt. Das unterscheidet Stürme beispielsweise von Hitzewellen, bei denen der Klimawandel einen wesentlich eindeutigeren Trend zeigt.

Warum bleibt die Zukunft trotzdem unsicher?

Winterstürme entstehen aus dem Zusammenspiel grosser Temperaturgegensätze, Jetstream, Luftdruck und Zugbahn der Tiefs. Der Klimawandel verändert diese Faktoren gleichzeitig und teilweise in unterschiedliche Richtungen. Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, während sich Temperaturgegensätze in manchen Regionen verändern.

Deshalb können einzelne Modelle regional stärkere Sturmfelder zeigen, ohne dass daraus bereits ein robuster Deutschland-Trend entsteht. Der DWD arbeitet bei Klimaprojektionen mit ganzen Modell-Ensembles, weil einzelne Modellläufe für solche seltenen Extremereignisse nicht ausreichen.

Was sich sehr wohl verändern kann: das Schadensrisiko

Auch ohne nachgewiesene Zunahme der Windgeschwindigkeit können Sturmschäden wachsen. Mehr Bebauung, höhere Sachwerte, empfindliche Infrastruktur und vorgeschädigte Wälder erhöhen das Risiko. Trockenheit und Hitze können Bäume schwächen, sodass sie bei einem späteren Sturm leichter brechen oder entwurzelt werden.

Die vergangenen 30 Jahre zeigen deshalb zwei Dinge gleichzeitig: Deutschland kann jederzeit von extremen Orkanen getroffen werden – aber aus Lothar, Kyrill, Friederike oder Sabine lässt sich noch kein einfacher Trend ableiten, wonach jeder neue Sturm automatisch stärker wird als seine Vorgänger.